Sven van Thom

=Sven van Thom
Single „Trauriges Mädchen“ VÖ 22.08.08 Album „Phantomschmerz“, VÖ 05.09.08
In Berlin wohnt ein kleiner Mann mit einer dicken, schwarzen Brille, ein Mann, der sich Gedanken macht. Gedanken über Melancholie, über traurige Mädchen, über Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Männern und Frauen, und er sorgt sich um eine gewisse Jeannette B.. Der Name des Mannes lautet Sven van Thom, und dies ist seine Geschichte: Als Sven bereits Ende der Neunziger mit seiner ersten Band die Clubs der Hauptstadt bespielt, stellt er fest, dass irgendetwas mit ihm scheinbar nicht stimmt: Während man dem Trommler und dem Bassisten seiner Band nach den Auftritten anerkennend auf die Schultern klopft, steht der gerade mal 169 cm grosse Gitarrist und Sänger Sven alleine im Publikum und wird ignoriert. Das liegt nicht etwa daran, dass ihn niemand mag. Nein, ganz und gar nicht. Bald findet Sven heraus, dass ihn die Leute einfach nicht erkennen, sobald er die Bühne verlassen hat. Denn im wahren Leben scheint er ein anderer zu sein als im Scheinwerferlicht: Ein Schüchterner. Ein Unscheinbarer. Ein Phantom? Einer, der nur dann zu voller Grösse mutiert, wenn vor ihm ein Mikrofon steht. Wie konnte es dazu kommen?
Von Blockflöten, Hip Hop-Ausflügen und Raffaello
In einem winzigen Dorf am Rande Berlins versucht sich Sven bereits im Alter von sieben Jahren an der Blockflöte - genau eine Stunde lang, dann gibt seine Lehrerin kopfschüttelnd auf. Aber da weiss er sowieso schon längst: Wenn er gross ist, will er Sänger werden – mindestens so heiss wie Roland Kaiser und Roy Black zusammen, denn die hört er mit seinem Opa jeden Sonntag im Radio. Wenige Jahre später nimmt Sven Akkordeonunterricht und schafft es immerhin, "Winter adé, Scheiden tut weh" fehlerfrei zu spielen. Als ihn mit dreizehn Jahren das Hip-Hop-Fieber packt, legt er das Akkordeon jedoch beiseite und kauft sich ein Alleinunterhalter-Keyboard mit fetzigen Beats und mittel-spektakulären Plattenscratch-Geräuschen. Bei seinem ersten Konzertbesuch (RUN DMC) sieht er im Vorprogramm eine bis dahin eher unbekannte Band, die ihn jedoch sofort begeistert: Die Fantastischen Vier. Nachdem sich Sven ein halbes Jahr mit dem Verfassen englischer Rap-Texte abgerackert hatte, kam nun die ganz große Erleuchtung: „Rap mit deutschen Texten – Yes! – da hätte man auch selber drauf kommen können. An diesem Abend erwachte eigentlich erst mein musikalisches Bewusstsein.“
Mit sechzehn kommt dann endlich die grosse Wende: Für fünf Mark und eine Packung Raffaello ersteht er seine erste Gitarre. Diesem Instrument ist er bis heute treu geblieben, und mit ihr entstehen immer noch seine wunderschönen Lieder. Und dem Himmel sei Dank, dem HipHop und Sprechgesang hat Sven van Thom schon vor langer Zeit den Rücken gekehrt. Jetzt ist Gitarrenpop mit einer Portion Country, ein bisschen Western und mächtig viel Melodie angesagt.

"Phantomschmerz"
Nun erscheint also sein Debüt-Album "Phantomschmerz", das von Elephant Music, in Zusammenarbeit mit Benito Battiston und Sven van Thom, produziert wurde . Auf "Phantomschmerz" findet man 13 Lieder, die sich zwischen melancholischer Schönheit und absurdem Humor bewegen, und mit dieser Platte bekommt man alles, was sich der geschmackssichere Hörer nur wünschen kann: Ausgereiftes Songwriting mit Referenzen an alte Helden wie Lee Hazlewood & Nancy Sinatra, Leonard Cohen oder Neil Young. Dazu gibt es gespenstische Spaghetti-Western-Gitarren a là Ennio Morricone und die sonore Stimme von Herrn van Thom, die von sozialen Randgruppen erzählt, wie zum Beispiel: Albino-Apachen ("Lady Snowflake") oder fast verschollene Pop Stars ("Was ist eigentlich aus Jeannette geworden?"). Geradezu atemberaubend traurig kommt die spärlich arrangierte Trennungsballade "Ich könnte weinen" daher. Ausserdem wird wahrheitsgemäss festgestellt: "Gefühle sind Säue", und in "Schatz, halt's Maul" wird eine Dame auf (fast) liebevolle Weise auf ihre Kommunikationsschwächen hingewiesen.
Herzstück der Platte ist jedoch zweifelsohne die erste Single-Auskopplung "Trauriges Mädchen", ein Liebeslied der besonderen Art. Es erzählt die Geschichte von nicht nur einer unglücklichen Liebe, sondern von gleich zweien. Er liebt sie, sie liebt einen anderen, kriegt diesen jedoch nicht. Noch trauriger kann es wohl kaum noch kommen.
Überraschung
Ursprünglich von PRO7 nur für eine „einfache" Musikuntermalung eines Spielfilmtrailers ausgewählt, zog "Trauriges Mädchen" in der Folge dermassen grosse Aufmerksamkeit auf sich, dass es bei Youtube in wenigen Tagen über 100.000 mal angeklickt wurde - und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ein Video dazu im Netz stand. Auch bei MySpace.com ist mit über 70.000 Seitenbesuchen das ergreifende Duett mit der Hamburgerin Synje Norland über Nacht zu einem kleinen Hit avanciert. Ein unglaublich großes Echo zu einem Zeitpunkt, da die Plattenfirma gerade erst mit den Vorbereitungen zur Single-Veröffentlichung beginnen wollte. Eine wachsende Anhängerschaftt, eine erste Single, die offensichtlich "sehnlichst" erwartet wird - es könnte für einen Nachwuchskünstler in der Tat schlimmer kommen. Im Videoclip schlüpft übrigens Eva Briegel, Frontfrau der Band JULI, in die Rolle des traurigen Mädchens, während Sven van Thom auf dem Esel Richard durch Berlin reitet - ein Augenschmaus!
Wo lebt DER denn?
Seit nun fast neun Jahren wohnt der Sammler von hässlichen 70er-Jahre Krawatten in Berlin, ohne Radio, ohne Fernsehgerät; und Zeitung liest der 30-jährige auch nur, wenn seine Mitbewohner mal eine in der Küche liegen lassen. Sven van Thom behauptet von sich, dass er wahrscheinlich der uninformierteste Mensch in ganz Berlin ist: "Es gibt nicht vieles, wovon ich Ahnung habe - eigentlich nur von Musik und von Liebe. Beides macht einen Haufen Spass, kann aber auch ganz schön anstrengend sein." Da hat er wohl Recht, der Herr Sven van Thom.

www.myspace.com/svenvanthom
 
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